Landestheater Tübingen

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Paradies

Spielzeit: 105 Minuten

in einer Fassung von Jenke Holzhauer-Nordalm
Themenstück für die Studiobühne

"... und dann ging ich zu weit.
Denn wo hätte ich sonst hingehen sollen?"

Mit den Romanen "Gleißendes Glück", "Ein makelloser Mann", "Alles was du brauchst", "Einladung zum Tanz" oder "Also bin ich froh" hat die schottische Schriftstellerin A. L. (Alison Louise) Kennedy den internationalen Durchbruch erreicht und das Leserpublikum mit ihren unerschrockenen, ironisch gebrochenen und sprachlich virtuos in die verborgenen Schichten der Seele vordringenden Beschreibungen menschlicher Grenzsituationen tief beeindruckt. Auch PARADIES, 2004 erschienen, ist von nachhaltiger Intensität.

Es ist 8.42 Uhr. Ein Tag kann gut anfangen mit einem Glas Milch mit Cointreau, das man trinken muss, bevor die Milch gerinnt. Er ist weniger Erfolg versprechend, wenn man sich nicht mehr erinnern kann, wo man ist und die Nacht im desorientierten Körper quälende Spuren hinterlassen hat, die den Kopf sprengen und jede Bewegung unmöglich machen. Mit Ende 30 hat Hannah Luckraft ihr Leben immer noch nicht in geregelte Bahnen gelenkt. Das Geld, das sie mit Gelegenheitsjobs verdient, "verflüssigt" sich und die Beziehung zu dem verheirateten Zahnarzt Robert, mit dem sie sich in unkontrollierte Zustände der Ekstase trinkt, gibt ihr keine Sicherheit, denn im Rausch hinterlässt die Liebe keine Erinnerung. Übrig bleibt nur eine vorwärts treibende Unruhe und ein allgegenwärtiges unstillbares Verlangen nach einem Ort, "wo alle Begierde von Körper und Seele dem 'idealen Grad der Trunkenheit' nahe kommen." Schon seit sie ein Teenager ist, kennt sie dieses Wechselbad aus Sehnsucht, Entgrenzung und Absturz. Die Eltern haben sie aufgegeben. Simon, ihr Bruder, von Beruf Arzt, sucht die Wohnung nach Verstecken für Hochprozentiges ab und organisiert Entziehungskuren. "Das machen sie immer: Mütter, Väter, besorgte Partner: egal, wer es ist, am Ende entwickeln sie alle die gleichen Symptome. Sie reden in der dritten Person über dich, obwohl du dabei bist, als wärst du ein Idiot oder ein Hund." Wo ist die Grenze, fragt sich Hannah in Momenten selbstironischer Klarsicht - "die volle Flasche Bushmills unversehrt, das wunderbare Etikett: Die schmale Tür, die anderswohin führt".
Die Theater- und Filmautorin und Regisseurin Jenke Holzhauer-Nordalm hat eine Bühnenfassung des Romans PARADIES erstellt, die nun im LTT ihre Erstaufführung erlebt.

Vorstellungen

Premiere:
27. September 2009

Es wirken mit:

Dramaturgie:
Inge Zeppenfeld

Regieassistenz:
Alexander Wenz, Nils Wiegand

Schauspieler:
Katja Gaudard, Udo Rau

Bühne:
Jelena Nagorni

Inszenierung:
Jenke Nordhalm

Dramaturgieassistenz:
Julia Feigl

Dramaturgiehospitanz:
Katharina Rahn, Stefan Kraft


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